„Ein unspektakuläres, vollkommenes Musikereignis.“  FAZ


Jan Jiracek von Arnim



Der österreichisch-deutsche Pianist Jan Jiracek von Arnim studierte in Berlin an der Universität der Künste und am Salzburger Mozarteum bei Hans Leygraf. Er ist Gewinner zahlreicher internationaler Klavierwettbewerbe, u. a. Busoni (Bozen) und Maria Canals (Barcelona). Besondere Auszeichnungen und Preise erhielt er für seine Interpretationen von Werken von Ludwig van Beethoven und Olivier Messiaen. Seine internationale Karriere begann mit seinem Erfolg beim „Van Cliburn" Klavierwettbewerb 1997 in Texas, USA.
Im Rahmen seiner internationalen Konzerttätigkeit gastierte Jan Jiracek v. Arnim in bedeutenden Musikzentren Europas, Amerikas und Asiens: unter anderem Carnegie Hall New York, Lincoln Center New York, Musashino Hall Tokio, Philharmonie St. Petersburg, Rudolphinum Prag, Philharmonie Berlin, Herkulessaal München, Gewandhaus Leipzig sowie Konzerthaus und Musikverein Wien. Er war Gast bei so renommierten Festivals wie dem Klavierfestival Rhein-Ruhr, Lucerne Festival, Kissinger Sommer und dem Ravinia Festival Chicago. Rundfunk- und Fernsehaufnahmen für BBC, ZDF, PBS America, 3sat, Radio Hilversum und ARD.

Jan Jiracek v. Arnim lebt in Wien, wo er 2001 als bisher jüngster Professor für Hauptfach Klavier an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien berufen wurde. Er gibt regelmäßig Meisterkurse - 2011 unter anderem in den USA, Australien, Polen, Deutschland und Österreich - und ist häufiges Jury-Mitglied bei internationalen Klavierwettbewerben, wie etwa dem "London International Piano Competition" und "International Tchaikovsky Competition for Young Musicians".

Neben der Ausbildung der nächsten Generation junger Musikerinnen und Musiker liegt Jiracek v. Arnim auch die Vermittlung von klassischer Musik besonders am Herzen. So arbeitet er intensiv mit amerikanischen Organisationen wie "Imagination Celebration" oder "Musical Awakenings" zusammen, um in speziellen Projekten Schulkinder an klassische Musik heranzuführen.

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2011 erschien sein erstes Buch, eine Biografie über Franz Liszt (Residenz Verlag Salzburg).

„Hie und da gelingt es einem Biografen, in knapper, klarer Sprache das Wesentliche zu sichten und verständlich die Zusammenhänge darzulegen. Am allerbesten gelang es bis dato vielleicht Jan Jiracek von Arnim, der im Residenz-Verlag eine schmale (232 Seiten), aber inhaltlich umfassende Liszt-Biografie vorgelegt hat. Sie ist so lesenswert wie konzis, kein Jota schwärmerische Exegese, aber auch keine verächtliche Kleinmacherei, wie sie von der Liszt-Forschung zuweilen auch betrieben wurde. Dass der Autor selbst Musiker ist, verhilft dem Buch zu einer fachlichen Kompetenz, die in jedem Kapitel unmerklich, aber grundierend mitschwingt." (Wilhelm Sinkovicz, DIE PRESSE)






Portrait des Musikvereins Wien

erschienen im Magazin des Musikvereins Wien, Text: Ulrike Lampert

Der Spurensucher - Jan Jiracek von Arnim

In Hannover entdeckte er seine Liebe zum Klavier, in Salzburg seinen Sinn fürs Atmosphärische, in Berlin den Facettenreichtum der Kunst und in Wien nicht nur die beste Stadt für einen Musiker, sondern auch jede Menge Spuren – Spuren, die ihn näher an die verehrten Komponisten heranführen und vielleicht sogar ein wenig hinter ihre Werke blicken lassen. Im Klavierspiel von Jan Gottlieb Jiracek von Arnim, in internationalen Rezensionen als von technisch höchster Brillanz, tiefer Emotion und immenser Ausdruckskraft gepriesen, spiegelt sich der penible Perfektionist ebenso wie der begeisterte Spurensucher.

Sein erstes Instrument war die Geige, und wäre es nach dem Vater gegangen, hätte er es ihm gleichgetan und eine Laufbahn als Trompeter eingeschlagen. Doch da stand immer schon dieses Klavier in der elterlichen Wohnung in Hannover, das ihn magisch anzog und auf dem sich alle Melodien, die er hörte, so wunderbar nachspielen ließen. Kurzum, das Klavier hatte es dem Jungen angetan, und irgendwann sagten die Eltern: Na gut, dann sollst du auch Unterricht bekommen. „Meine Eltern waren immer der Meinung, ich soll mir selber aussuchen, was ich am liebsten machen möchte. Aber das, was ich dann mache, soll ich eben wirklich richtig machen", erzählt Jan Jiracek von Arnim, Spross einer böhmisch-deutschen Musikerfamilie. (…)Mit zehn Jahren bereits gewann Jan Jiracek von Arnim seinen ersten Wettbewerb, den Steinway-Wettbewerb in Hamburg, von dem ihm bis heute allerdings nur mehr eines im Gedächtnis geblieben ist: „Es war ein ganz fantastisches Gefühl, in der Musikhalle Hamburg zu spielen, in der die Finalrunde stattgefunden hat." Etwa ein bis zwei Stunden übte er damals täglich, Unterricht erhielt er oft zweimal pro Woche, und es machte ihm Freude, bei den regelmäßigen Hausmusikabenden, die seine Eltern und auch seine Lehrerin veranstalteten, aufzutreten. „Ich hatte damals eigentlich nie das Gefühl, beim Vorspielen Angst vor irgendetwas zu haben. Es war eher so, dass ich nicht so gerne geübt habe. Aber ich wusste natürlich, dass man üben muss, wenn man aufs Podium will", sagt Jiracek von Arnim. Und so ist er seiner Mutter, die selbst als Organistin aktiv ist, dankbar, stets darauf geachtet zu haben, dass er sich mit Disziplin und Konsequenz ans Klavier setzte, auch wenn er manchmal lieber mit den Schulfreunden Fußball gespielt hätte oder um die Häuser gezogen wäre.

Noch im Schulalter besuchte er einen Meisterkurs bei Hans Leygraf – eine Begegnung, die für seinen weiteren Weg bestimmend werden sollte. Der berühmte Pädagoge lud das junge deutsche Talent ein, sein Schüler am Mozarteum in Salzburg zu werden. „Das war sehr aufregend für mich", erzählt Jiracek von Arnim. „Ich habe Ja gesagt, wollte aber die Schule nicht aufgeben, weil sie mir wichtig war und ehrlich gesagt auch Spaß gemacht hat." Also stieg er immer freitags in den Nachtzug nach Salzburg, hatte am Wochenende Unterricht und war am Montag wieder in der Schule. Als überaus anstrengend habe er dies damals, sechzehn bis achtzehn Jahre alt, gar nicht erlebt. Vielmehr habe er gelernt, gut mit der Zeit umzugehen. „Wenn man weiß, was einem wichtig ist, setzt man Prioritäten und ist strukturierter in dem, was man tut", schildert er seine Erfahrung. „Es war für mich eine Auszeichnung, überhaupt die Möglichkeit zu haben, in Salzburg bei diesem Lehrer zu studieren." In Salzburg, dieser (musikalisch) so geschichtsträchtigen Stadt, entdeckte er auch seine starke Empfänglichkeit für Stimmungen und Atmosphäre. Es sei für ihn zu einer Art Ritual geworden, wenn er frühmorgens in Salzburg ankam, zuallererst in den Mirabellgarten zu gehen, sich umzuschauen, sich in die Stimmung hineinzufühlen und die Atmosphäre aufzusaugen – und dann das angrenzende Mozarteum zu betreten.

Mit der Matura kam Jan Jiracek von Arnim der Gedanke, vielleicht doch etwas ganz anderes machen zu wollen. Er liebäugelte mit der Medizin ebenso wie mit der Juristerei – und kam zu dem Schluss, dass es nichts Schöneres geben kann als die Musik. Doch dass er nicht in Hannover bleiben wollte, so viel stand fest, und Salzburg kannte er nun ja schon. Zu einem anderen Lehrer zu wechseln kam allerdings auch nicht infrage. „Ich glaube, nirgendwo sonst als in der Kunst ist der Lehrer so entscheidend. Lehrer und Schüler bauen eine sehr enge Beziehung, ein richtiges Vertrauensverhältnis auf. Insofern war für mich klar, dass mein Lehrer weiterhin Hans Leygraf sein musste." Also ging er nach Berlin, wo Hans Leygraf eine Gastprofessur an der Hochschule der Künste innehatte. Und Berlin wurde zum idealen Ort für den vielseitig interessierten, kunsthungrigen Studenten. Er tauchte völlig ein ins Berliner Kulturleben, war ständig in Konzerten und Museen anzutreffen und gab bald selbst seinen ersten Klavierabend in der Philharmonie.

2001 „landete" Jan Jiracek von Arnim „in der schönsten Stadt, die es für einen Musiker gibt": in Wien, wo ihm mit gerade einmal 28 Jahren an der Musikuniversität eine Gastprofessur angeboten worden war und wo er nur ein Jahr später als jüngster ordentlicher Professor eine eigene Klasse übernahm. Ob das nicht eine erdrückend große Verantwortung war für einen noch so jungen Menschen? Gedanken dieser Art habe er gar nicht gehabt, erinnert sich Jiracek von Arnim, und überhaupt: „In der Musik, denke ich, zählt weniger das Alter als die Frage, ob man etwas weiterzugeben hat." Seine Aufgabe als Lehrer vergleicht er mit jener eines Gärtners: „Man achtet darauf, dass die jungen Triebe gut wachsen, indem man ihnen Wasser gibt, man schaut, dass genügend Sonne da ist, man düngt vielleicht auch ein bisschen – aber wachsen müssen die Pflanzen letztlich selber. Entscheidend ist für einen Künstler nicht die Technik allein, spielen können heute praktisch alle. Das Wichtige ist, dass man etwas auszusagen hat, und das ist etwas, das man nicht erklären kann. Diese zusätzliche Dimension steckt in einem selber drin, man braucht als Künstler die Gabe und die Bereitschaft, hinter das Werk zu treten, sich völlig auf die Musik einzulassen und durch die Musik zu sprechen." Und so empfiehlt er seinen Schülern gerne, sich, so wie er selbst es tut, auf Spurensuche zu begeben.Gerade in Wien „gibt es noch so vieles zu entdecken", schwärmt Jiracek von Arnim, der lange schon alte Fotografien sammelt und einen Brief von Franz Liszt aus der Sammlung Leonard Bernsteins ersteigert hat. „Brahms zum Beispiel ist für mich der Komponist, den ich am liebsten persönlich kennengelernt hätte. Das Gefühl, das ich hatte, als ich hier in Wien ankam und von der Lothringerstraße zum Karlsplatz spazierte, war, dass Brahms dort 25 Jahre lang gelebt hat – das hat mich einfach umgeworfen." Und es war Grund genug, sich in dieser Gegend seine erste Wiener Wohnung zu suchen. Dass er in seinem derzeitigen Domizil nahe dem Schubert-Wohnhaus in der Grünentorgasse lebt, mag Zufall sein oder nicht, es spricht in jedem Fall für die Spurendichte dieser Stadt, wenn man sie nur wahrnimmt. Auch die Czerny-Ausstellung der Gesellschaft der Musikfreunde im vergangenen Jahr fällt dem Pianisten ein. „Ich war glücklich, einmal auf diesem kleinen Instrument von Carl Czerny spielen zu dürfen und den Klang seines Instruments zu hören. Es war aber auch dieser Brief von Beethoven ausgestellt, in dem er Czerny bittet, im Unterricht nicht zu streng mit seinem Neffen zu sein … wenn man so etwas im Original sieht, kommt man dem Wesen und den Wurzeln dieser Menschen doch um vieles näher. Da kann man die ganze Sekundärliteratur lesen, um sich einem Komponisten anzunähern. Wenn man aber so einen Brief liest und die Handschrift sieht, dann ist das mit nichts zu vergleichen."

Eindrücke dieser Art und die damit einhergehenden Emotionen sind es, die sehr wesentlich in die Interpretationen von Jan Jiracek von Arnim einfließen. „Aber zunächst einmal bin ich ein Perfektionist", gesteht er lachend. „Für mich ist es wichtig, dass die Technik absolut stimmt. Zu einem gewissen Zeitpunkt gerät sie allerdings völlig in den Hintergrund, da trete ich hinter das Werk und diese andere Dimension in den Vordergrund. Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, mit einem Werk erst dann auf die Bühne zu gehen, wenn ich damit auch wirklich etwas zu sagen habe." Ein weiser Entschluss, ist man geneigt zu denken, und dass es der für ihn richtige Weg ist, bestätigen ihm seit mehreren Jahren Publikum und Presse von München bis New York, von Leipzig bis Tokio, von Luzern bis St. Petersburg…


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